schlemmerbalkon

Herzlich willkommen auf unserem Schlemmerbalkon! Begleite uns durch das Balkon-Gartenjahr und teile mit uns unser Gärtnerglück und manchmal auch -pech.. Wir verraten hier unsere Tipps und Tricks, damit auch Dein Balkon zum Schlemmerbalkon wird! Wir wünschen Dir viel Spaß!

Gundermann

27 Kommentare

DSC03563Sein botanischer Name lautet Glechoma hederacea und lässt den Nicht-Lateiner nicht unbedingt auf die Herkunft seines deutschen Namens Gundermann oder auch Gundelrebe schließen.

Die Pflanze, welche zur Familie der Lippenblütler gehört, bekam diesen Namen wohl aus dem althochdeutschen, denn „Gund“ steht hier für „Eiter“ und früher gab man den Pflanzen oft Namen, welche einen Bezug zur Heilkraft oder Funktion des Krautes herstellten. Der Gundermann wurde also bei eitrigen und schlecht heilenden Wunden eingesetzt, denn er hat eine entzündungshemmende Wirkung.

Man nennt ihn aber auch Soldatenpetersilie. Diese Bezeichnung entstand aufgrund der Tatsache, dass die Pflanze würzig schmeckt und von Soldaten im Krieg oftmals gesammelt und zum würzen ihrer Mahlzeiten verwendet wurde. Was die Soldaten wohl eher nicht wussten: sie führten sich damit jede Menge Vitamin C zu, denn das Kraut weist einen hohen Gehalt an diesem Vitamin auf.

Weitere Namen sind unter anderem: Heckenkieker, Grundrebli, Gundelrieme, Blauhuder, Donnerrebe, Herderich, Grundrebli, Silberkraut, Zickelskräutchen und Erdefeu. Es gibt aber noch viele weitere Bezeichnungen für dieses wunderbare Kraut.

Fast weltweit ist die Pflanze mittlerweile zu finden. In Europa gibt es nur wenige Standorte, an welchen der Gundermann nicht zu finden ist. Nicht beheimatet ist die Pflanze auf Island, Spitzbergen, in der Türkei, auf Kreta, den Färöer Inseln und den Balearen. Jedoch selbst bis nach Neuseeland hat es das Kraut geschafft! Hier wurde es von Menschen „eingeschleppt“.

DSC03560Der Gundermann wächst als Bodendecker mit maximal 30 Zentimeter Höhe eher unauffällig in naturbelassenen Gärten, im Wald und an Wegesrändern. Seine Blattfarbe ist saftig grün, die Blätter sind herz- bis nierenförmig und stehen sich gegenüber, sind also gegenständig. Die Blütezeit ist von April bis Juli, die Blüten sind blau bis violett. Drei bis vier dieser Lippenblüten wachsen in jeder Blattachsel und bilden kleine Nüsse aus, welche man Klausen nennt.

Ein Gundermann kommt selten allein! Er wächst meist in größeren Gruppen, welche durch einen Hauptsproß miteinander verbunden sind. In der Regel sind diese Gruppen eine Ansammlung von sogenannten Klongeschwistern. Die Ausläufer eines Gundermanns können bis zu einem Meter lang werden, daher rührt auch einer seiner Namen: Erdefeu.

Aufgrund der Tatsache, dass er zur Familie der Lippenblütler gehört, ist er entfernt mit Kräutern wie Rosmarin und Thymian verwandt.

Insgesamt fand der Gundermann in drei Bereichen Anwendung: in der Magie, in der Küche, in der Naturheilkunde.

Magie:
Zur Walpurgisnacht band man sich einen Kranz aus Gundermann und setzte ihn auf den Kopf, dies sollte dazu befähigen Hexen zu erkennen.

Eine weitere Verwendung in der Magie fand der Gundermann zu einem kleinen Kranz gebunden und um das untere Ende einer gelben Kerze gebunden. Zündet man diese Kerze nun an einem Dienstag an und lässt sie abbrennen, soll man erkennen können, wer einen mit einem Schadzauber belegt hat oder sonst Böses will.

Ein gepflückter und bei sich getragener Zweig des Krautes sollte im Mittelalter davor bewahren von Feen geraubt zu werden.

Die alten Germanen schrieben die Pflanze in ihrem Glauben dem Donnergott Thor zu (daher auch die heute noch manchmal benutze Bezeichnung Donnerrebe). Später glaubte man daher, dass diese Pflanze vor Gewittern und Blitzschlägen schützen könnte.

DSC03566Küche:
Gundermann ist ein sehr würziges Kraut und findet daher vielseitig Verwendung: man kann ihn wie Spinat nutzen und als Gemüse reichen, er macht sich sehr gut in Kräuterquark und -butter, passt perfekt in eine Kräutersuppe oder zu Eierspeisen. Bratkartoffeln gibt er eine besondere Note, ebenso Wildfleischgerichten. Und natürlich macht er in grünen Smoothies eine gute Figur.

Da er kräftig im Geschmack (würzig, leicht nach Minze und Lackritz) ist, sollte man nicht zu viel von dem Kraut auf einmal zu einem Gericht geben, denn der Geschmack kann schnell dominieren und damit andere in den Hintergrund drängen.

Statt Hopfen nutzen die Engländer früher Gundermann zum Brauen von Bier. Dieses soll im Gegensatz zum klassisch mit Hofen gebrauten Bier nicht müde sondern agil machen.

Naturheilkunde:

Hildegard von Bingen empfahl schon die Verwendung von Gundermann, ebenso fand er Erwähnung bei Sebastian Kneipp, von welchem der Ausruf: „Gundermann, Heil der Welt!“ überliefert ist.

Auch der Mediziner Leonhart Fuchs, welcher von 1501 – 1566 lebte, wusste um die Wirkungen des Krautes. Er schrieb:

„Gundelreben kraut in wasser gesotten / unnd viertzig oder fünfftzig tag aneinander getruncken / bekompt wol denen so das hüfftwee haben. Deßgleichen sechs oder siben tag nach einander getruncken / vertreibt es die geelsucht.
Die blumen für sich selbs eröffnen die verstopffung der leber. Gemellt kraut in wein gesotten unn getruncken / treibt den harn / bringt den frawen jre zeit. Gundelreb ist auch krefftig wider allerley gifft / treibt dasselbig durch den schweyß auß. Daher kompts das die Rosszartzet diß kraut seer brauchen zu den rossen die das feyfel haben. Es heylt auch die mundfeule / unnd andere grind / unnd verserung des leibs.“

(Quelle: Das Kräuterbuch von 1543, Leonhart Fuchs)

Heiße Umschläge mit dem Kraut wurden von Hildegard von Bingen in mehreren Situationen empfohlen. Auf die Ohren gelegt sollen sie bei Ohrensausen und Ohrentzündungen helfen, auf den Rücken oder die Schenkel gelegt den Frauen die Geburt erleichtern.

DSC03568Heutzutage wird der Gundermann vielseitig eingesetzt: als Tee (ein Teelöffel getrockneter oder ein Zweig frischer Gundermann je Liter) bei Durchfall, Erkältungen, chronischer Bronchitis, Magenleiden, als Wundumschlag und zum Gurgeln bei Halsschmerzen. Aber auch bei Abzessen, Augenleiden und vor allem bei Gicht, Rheuma, Arthrose und Arthritis soll er helfen. Bei den vier letztgenannten Krankheiten setzt man auf die äußere Anwendung von Gundermann: man nutzt ihn als alleinigen Bestandteil aber auch in Mischungen für Kräuterbäder. In diesem Fall nutzt man ungefähr eine Hand voll Gundermannblätter je Liter Wasser.

Ein weiterer Name des Gundermanns lautet „Steinumwickler“, dieser leitet sich wohl daraus ab, dass es auch eine Heilwirkung bei Gallen-, Nieren-, Milz- und Leberleiden gegeben sein soll.

Das Kraut ist schleimlösend, stoffwechselfördernd und entzündungshemmend.

 

Advertisements

27 Kommentare zu “Gundermann

  1. Ein leichter Geschmack von Minze und Lakritze… Mhmmm das macht mich noch neugieriger, nur leider wächst er grad zu langsam nach vom Rasenmäherfriseur ;-D

    Gefällt 1 Person

  2. Ein feiner Artikel. Dankeschön

    Gefällt 1 Person

  3. wusste gar nicht, dass es so eine Pflanze gibt, beste Grüße von hier aus dem Norden unserer Heimat

    Gefällt 1 Person

  4. Vielen Dank für all die Information, die du da zusammengetragen hast! Scheint ja ein kräftiges Kräutchen zu sein.
    Der wächst bei uns überall da, wo unser Vormieter Gemüse stehen hatte und zwischen den Obstbäumen. Und nicht mehr so ganz diskret … weil er aber auch sehr hübsch ist, habe ich eine Pflanze auf mein Steingartenbeet gesetzt. Ich habe mal an den Blättern gerochen, sehr intensiv.
    Übrigens habe ich gesehen, dass eine einzelne Knoblauchrauke mein Unkrautjäten vom letzten Jahr überlebt hat. Wenn ich Glück habe, vermehrt sie sich wieder.

    Gefällt 1 Person

    • Gerne geschehen! 🙂 🙂

      Er ist wirklich ein kräftiges und wunderbares Kraut. Wir geben Dir recht: hübsch ist er auch noch dazu! 😉

      Aha! Eine Überlebende ist also zu vermelden! Sehr schön, das freut uns zu lesen. Vielleicht schafft sie es ja wirklich eine neue Familie zu gründen, denn auch dieses Kräutlein ist ein feiner Vertreter seiner Art!

      Gefällt 1 Person

  5. Hat dies auf Fundstücke aus dem Internet rebloggt und kommentierte:
    Wieder was dazu gelernt. Wenn die Petersilie aus ist einfach Gundermann sammeln! Danke!

    Gefällt mir

  6. Ist so klein und hat so viel wumms… toller informativer Beitrag von euch!!! Lieben Dank 😀

    Gefällt 1 Person

  7. Und wie hübsch er sich gemacht hat. Frisch gewaschen und glänzend! 😊

    Gefällt 1 Person

  8. Wow, was es alles gibt. Vom Aussehen ist mir das Kraut nicht unbekannt, ich wusste jedoch nicht, wie es heißt und dass man es essen kann. Danke für die tolle Beschreibung!

    Sonnige Grüße
    Anni

    Gefällt 1 Person

  9. schönes Wochenende wünsche ich

    Gefällt 1 Person

  10. Pingback: unsterbliche Gundermann-Butter | schlemmerbalkon

  11. Pingback: Wie ein grüner Wasserfall | schlemmerbalkon

  12. Pingback: Balkon-Smoothies: Heute: Gu-Mu-Ji | schlemmerbalkon

  13. Pingback: Ritter Gundermann aus Lietzen – Olet lucernam!

  14. Pingback: Gundermann-Frischkäse | schlemmerbalkon

  15. Pingback: Ritter Gundermann aus Lietzen - Olet lucernam!

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s